Ich brauchte fast 26 Jahre und diverse Dummheiten, bis ich mir selbst eingestand, was ich bin. Kein Mann, sondern eine Frau. Am 19. Mai 2015 outete ich mich das erste Mal, am 20. Mai auch im direkten Freundeskreis. Es war an diesem Tag also mehr als nur mein Geburtstag. Es fühlte sich an wie eine Art neue Geburt. Eine Geburt als ich selbst. Damals war mir bewusst, dass vor mir ein langer und sehr steiniger Weg liegen wird. Ungewiss in vielerlei Hinsicht. Ein erster Schritt (und wahrlich kein unwichtiger) war: ich brauchte einen Namen. Ich fragte damals meinen Freundeskreis, aber eigentlich wollte ich nur den Namen bestätigt hören, den ich mir selbst bereits mit 17 Jahren gab: Franziska.

Franzi hatte ’nen Namen, jetzt war der Körper dran. Der heilige Gral für die meisten transidenten Menschen dürften wohl die Hormonpräparate sein. Aufgrund dessen wurde im Februar ein Bluttest gemacht mit Chromosomenanalyse usw. Reine Formalität eben. Alles war wie erwartet im Normalbereich, biologisch gesehen bin ich ein Mann. Die Resultate wurden meinem Psychiater übergeben und er gab grünes Licht. Am 7. April holte ich Hormonemein Rezept und direkt im Anschluss das Gel aus der Apotheke ab, um die gegengeschlechtliche Hormonbehandlung beginnen zu können. Auf Testosteronblocker verzichtete ich. Falls nötig, kann ich es mir ja verschreiben lassen, aber ich bin keine Freundin von Medikamenten und nehme wirklich nur das, was wirklich sein muss. Dieses Gel ist natürlich ein Muss und ich war aufgeregt und neugierig zugleich, wann es wirkt und natürlich wie?

 

Ich hab natürlich gewisse Hoffnungen bezüglich der Wirkung. Die Hormone (und das ist für mich natürlich erstrebenswert) können die Gesichtszüge weiblicher machen. Runder eben und weicher. Auch ist eine weiblicherer Körper durch Fettverteilung und Auswirkung auf den Haarwuchs am Körper. Da wir schon bei diesem Thema sind: der Bartwuchs wird dadurch leider nicht gestoppt. Dies ist durch einen weiteren Schritt zu erreichen. Auch bleibt meine Stimme unangetastet. Aber es gibt ja auch Frauen mit tieferer Stimme, von dem her sehe ich das jetzt nicht als einen Weltuntergang an. Die optisch (für mich) markanteste Veränderung dürfte aber das Wachsen eines Busens darstellen. Laut meinem Endokrinologien dürfe ich nicht mit Doppel-D rechnen (der Mann hat Humor, muss man ihm lassen), aber das erwarte ich auch nicht. Es ist eh mehr ein Schritt für mich selbst, da ich durch Silikoneinlagen ja zumindest eine Oberweite andeute. Für das Umfeld dürfte es also nicht so viel anders sein.

Ich bin sehr gespannt und werde wohl nach ’nem Monat oder auch nach zweien ein erstes Zwischenfazit abgeben.